Hindernisfreier Zugang Tram & Bus

Rollstuhlfahrer steigt ebenerdig in ein Tram ein

Ein hindernisfreier Zugang zum öffentlichen Verkehr ist für alle Fahrgäste ein Gewinn an Komfort. Dazu braucht es Haltestellen mit hohen Haltekanten, damit alle Fahrgäste bequem ins Tram und in den Bus gelangen können.

Einfacher und bequemer für alle

Für Rollstuhlfahrende, Gehbehinderte, aber auch für viele ältere Menschen ist dieser hindernisfreie Zugang unentbehrlich, um den öffentlichen Verkehr selbstständig zu benutzen. Andere Fahrgäste sind temporär auf hohe Haltekanten angewiesen, sei es mit Kinderwagen, Gepäck oder mit Krücken. Ein hindernisfreier Einstieg erhöht generell die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs. Das Ein- und Aussteigen geht einfacher und schneller, die Haltezeiten sind kürzer, was einen stabileren und somit zuverlässigeren Fahrplan ermöglicht.

Kanton macht bei Umsetzung vorwärts

Gemäss Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes (BehiG) rüstet Basel-Stadt die Tram- und Bushaltestellen Schritt für Schritt mit hohen Haltekanten aus. Per Ende 2019 waren in Basel-Stadt 82% der Tram- und Kombihaltestellen sowie 93% der Bus-Haltestellen hindernisfrei zugänglich. In den meisten Fällen ist dazu allerdings noch die Klapprampe als technisches Hilfsmittel nötig. Das BehiG lässt einen solchen Zugang als vorübergehende Ersatzlösung zwar zu, der Regierungsrat hält aber am Ziel fest, die Zugänglichkeit weiter zu erhöhen und, wo immer möglich, den gesetzlich geforderten autonomen Zugang über hohe Haltekanten zu gewährleisten. Ende 2019 waren 22% der Tram- und Kombihaltestellen (Vorjahr 18%) sowie 8% der Bushaltestellen (Vorjahr 3%) hindernisfrei umgebaut.

Zugänglichkeit bis Ende 2023

Nach Möglichkeit soll der Umbau der ÖV-Haltestellen jeweils im Rahmen von Erhaltungs- und/oder Umgestaltungsprojekten erfolgen. Dadurch können Synergien genutzt und Kosten reduziert sowie Beeinträchtigungen für Anwohnende, das Gewerbe und den Verkehr minimiert werden. Dies gelingt voraussichtlich bei rund 80% der Tram- und Kombihaltestellen und 60% der Bushaltestellen. Haltestellen mit besonderer Bedeutung für die Fahrgäste werden vorgezogen realisiert. Hierzu zählen beispielsweise Haltestellen in der Nähe von Spitälern und spezifischen Einrichtungen für mobilitätseingeschränkte Personen oder Umsteigehaltestellen auf die Bahn.

Bis Ende 2023 werden in Basel-Stadt weitere 24% der Tram- und Kombihaltestellen sowie 22% der Bushaltestellen im Rahmen der Erhaltung hindernisfrei umgebaut. Zusätzlich sollen gemäss dem letztjährig beschlossenen Umsetzungsplan 3% der Tram- und Kombihaltestellen sowie 5% der Bushaltestellen aufgrund ihrer besonderen Bedeutung bis Ende 2023 vorgezogen realisiert werden. Damit sind Ende 2023 voraussichtlich knapp die Hälfte der Tram- und Kombihaltestellen (49%) und etwas mehr als ein Drittel der Bushaltestellen (35%) hindernisfrei umgebaut.

BehiG bis 2028 praktisch vollständig umgesetzt

Ein Blick auf die Prognose zeigt, dass der Anteil der hindernisfrei umgebauten Haltestellen in den Jahren nach 2023 kontinuierlich ansteigen wird. Bereits 2026 werden voraussichtlich 80% der Tram- und Kombihaltestellen und 57% der Bushaltestellen umgebaut sein. Bis 2028 wird der Anteil auf 95% der Tram- und Kombihaltestellen und 82% der Bushaltestellen steigen. Der autonome Zugang wird also voraussichtlich fünf Jahre nach Ablauf der Frist sowohl für Tram- und Kombihaltestellen als auch für Bushaltestellen grossmehrheitlich bis fast vollständig umgesetzt sein.

Verbesserungen für Velofahrende an Kaphaltestellen

Von Kaphaltestellen spricht man dann, wenn sich bei einer Haltestelle mehrere Verkehrsmittel jene Spur teilen, auf der auch das Tram unterwegs ist. Hier müssen Velofahrende bei hindernisfreien Haltestellen der höheren Haltekanten entlangfahren, was oft als gefährlich empfunden wird. In erster Priorität prüfen die Fachleute bei jeder Haltestelle, ob ein Haltestellentyp realisiert werden kann, bei welchem die Velofahrenden nicht entlang der hohen Haltekante fahren müssen. Für Haltestellen, bei welchen dies aus Platzgründen nicht möglich ist, sucht der Kanton nach einer velofreundlichen Lösung für die Durchfahrt entlang der hohen Kante.

Zusammen mit der BVB und den Veloverbänden testet das BVD ein velofreundliches Gleissystem. Hierbei handelt es sich um eine Neukonstruktion des Schienenoberbaus. Dabei wird in der Schienenrille ein Gummiprofil montiert, welches durch einen speziellen Stahlkasten seitlich fixiert wird. Das Gummiprofil verschliesst die Rille des Tramgleises und bildet dadurch eine weitgehend ebene Fläche im Strassenbelag. Ein Velo kann aufgrund des leichten Gewichtes über die Schienenrille fahren, ohne einzusinken. Bei der Überfahrt eines Trams wird die Gummifüllung nach unten gedrückt.

Die erste Phase auf einer Teststrecke in Füllinsdorf verlief positiv: Die teilnehmenden Velofahrenden fühlten sich beim Queren der Tramgleise mit Gummifüllung sicherer. Auch aus Sicht der BVB verlief die erste Testphase vielversprechend. Nun folgt die zweite Phase unter realen Bedingungen. Aktuell wird das velofreundliche Gleis im Rahmen der ohnehin notwendigen Erhaltungsmassnahmen an der Haltestelle Bruderholzstrasse in Fahrtrichtung Bruderholz eingebaut und ab Anfangs Dezember 2021 auch mit dem Tram befahren. Eine Auswertung wird nach rund einjährigem Betrieb voraussichtlich Ende 2022 möglich sein. 

Welche Tram- und Bushaltestellen sind in Basel-Stadt hindernisfrei zugänglich?

Auf der Internetseite der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) befinden sich konkrete Informationen, welche Tram- und Bushaltestellen hindernisfrei zugänglich sind. Insbesondere gibt eine Broschüre darüber Auskunft, an welchen Haltestellen der Einsatz der Klapprampe möglich ist oder schon ein niveaugleicher und somit autonomer Einstieg realisiert wurde.

Statusbericht des Regierungsrates zum Stand der BehiG-Umsetzung per Ende 2019

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