Was ist das Herzstück?
Der Begriff „Herzstück Regio-S-Bahn“ steht für eine neue, leistungsfähige Verbindung zwischen den drei Bahnhöfen SBB, Badischer Bahnhof und St. Johann. Damit liegt es im „Herzen“ der trinationalen S-Bahn zwischen Mulhouse, Freiburg i. Br., Zell i. W., Waldshut, Laufenburg, Frick, Olten und Delémont.
Wie wollen wir die Regio-S-Bahn weiterentwickeln?
Die erste Ausbauetappe der Regio-S-Bahn ("Regio-S-Bahn Basel 2005") mit der Erweiterung des Angebots und den neuen Haltestellen ist ein grosser Erfolg. Mit weiteren Ausbauetappen soll dieser Erfolg fortgeführt werden. Der grösste Effekt auf die künftige Nachfrage bei der S-Bahn bewirkt das Verdichten des Fahrplans von einem 30- auf den 15-Minuten-Takt. Dazu müssen in den nächsten 10 bis 15 Jahren vor allem die Zubringerlinien und die Bahnhofsanlagen ausgebaut werden. Der 15-Minuten-Takt auf den Aussenstrecken ist eine wichtige Voraussetzung für das Herzstück. Die dafür erforderlichen Ausbauten sind auf Schweizer Seite im Infrastrukturprojekt zur Angebotsplanung Nordwestschweiz (AP NWCH) aufgelistet, die ersten Planungskredite sind genehmigt. Auf deutscher Seite ist die Planung von Doppelspurinseln im Wiesental und ev. der Ausbau des Bad. Bahnhofs notwendig. Ebenso ist die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke anzugehen, um später die Züge aus Waldshut ins Herzstück einzuführen. Auf französischer Seite ist die Streckenkapazität zwischen St. Johann und dem EAP zu untersuchen.
Welche Ziele streben wir mit dem Herzstück an?
Das primäre Ziel des Herzstücks ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Eisenbahninfrastruktur zu ergänzen, damit
- rasche Durchmesserlinien wie in den anderen Schweizer Agglomerationen möglich werden;
- der S-Bahn-Verkehr vom verspätungsfälligen Fernverkehr zumindest im Kern der Agglomeration getrennt wird;
- der Nachteil der dezentralen Bahnhofstandorte in Basel minimiert wird.
Eine attraktive Regio-S-Bahn soll die Wirtschaftskraft der gesamten trinationalen Region stärken, die Stadtstrassen entlasten und die Wohnqualität in der Stadt fördern.
Was ist der Stand der Planung?
Es stehen verschiedene Varianten für ein Herzstück der Regio-S-Bahn zur Diskussion. Diese unterscheiden sich dadurch, dass sie das Umland mit der Basler Innenstadt über einen neuen Tunnel verbinden oder diese umfahren. Weiterer Baustein gewisser Varianten ist ein Bahntunnel unter Basel Nord zur Anbindung der dortigen Entwicklungsgebiete.
Die Parlamente der beiden Basler Kantone haben im Herbst 2009 verlangt, dass die von den Regierungen favorisierte Variante „Mitte“ nochmals verifiziert werde. Dabei sei der Einfluss einer verstärkten baulichen Verdichtung im Norden zu berücksichtigen wie auch die Mitbenutzung der bestehenden Bahnlinie zwischen Bahnhof SBB und Bahnhof St. Johann („Elsässerbahn“). Mit den detaillierten Abklärungen wurden externe Büros beauftragt. Die Ergebnisse der Studie liegen seit Juni 2010 vor. Die Resultate bestätigen, dass die Variante „Mitte“ das beste Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweist, dies auch bei grösserer baulicher Verdichtung im Norden Basels als für 2030 angenommen. Die sogenannten „Ring“-Varianten, welche die Innenstadt via Elässerbahn umfahren, sind entweder sehr teuer oder ihr Nutzen erweist sich als gering. Die bereits 2004 untersuchte Variante „Nord“ bietet zwar einen grossen Nutzen, die hohen Bau- und Betriebskosten führen aber zu einem gegenüber Variante „Mitte“ schlechteren Nutzen-Kosten-Verhältnis.
Die Projektleitung aus Fachleuten der beiden Kantone und der SBB schlägt deshalb vor, die Variante „Mitte“ weiterzuverfolgen. Diese Variante ist zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Verbindung von Grossbasel Richtung St. Johann (Variante „Y“) ausbaubar.
Welches sind die nächsten Schritte?
Die zuständigen Parlamentkommissionen der beiden Basel haben die Ergebnisse der Studie im Juni 2010 zur Kenntnis genommen. In der Folge hat sie ETH-Professor Dr. Ulrich Weidmann als unabhängigen Verkehrsexperten mit einem Gutachten im Sinne einer „Second Opinion“ beauftragt. Das Gutachten soll noch 2010 vorliegen, so dass auf dieser Grundlage ein definitiver Variantenentscheid gefällt werden kann.
Im Anschluss sind für die gewählte Bestvariante zahlreiche planerische Fragen weiter zu vertiefen, von der Lage und Dimensionierung der Haltestellen, über die bauliche Umsetzung bis zum Finanzierungsschlüssel. Ca. 2012 soll bei den Parlamenten dann ein Planungskredit über rund 20 bis 30 Mio. Franken für ein Vorprojekt beantragt werden.
Was kostet das Vorhaben? Bis wann könnte es realisiert sein?
Grobkostenschätzungen gehen von Investitionskosten in der Höhe zwischen 1 bis 2 Mia. Franken aus. Die Finanzierung des Vorhabens ist derzeit noch offen. Eine Inbetriebnahme wäre in den Jahren zwischen 2025 und 2030 möglich. Das Herzstück ist Bestandteil des Agglomerationsprogramms Basel, das die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn gemeinsam beim Bund eingereicht haben.
Die Weiterentwicklung der Regio-S-Bahn Basel inklusive Herzstück soll so bald wie möglich auf die Stufe eines Vorprojekts gebracht werden. Erst wenn diese Projektreife erreicht ist, besteht eine realistische Aussicht, eine nationale Mitfinanzierung für diese grossen Verkehrsinfrastrukuren zu erhalten.